Tag 1 und 2 Giovinazzo (Bari)

Diese Galerie enthält 1 Foto.

Hier der Reisebericht zu unserer Italienreise. Ich hoffe, er gefällt euch und ihr bekommt ein paar Impressionen wie Italien im Hochsommer ist. Viel Spaß beim lesen…… Süditalien Tag 1     Do, 02.Aug. 2012 Eine der einfachsten und günstigsten Methoden mit … Weiterlesen

Galerie | Kommentar hinterlassen

Tag 3 Giovinazzo (Bari) – Matera

Süditalien Tag 3   4.08.2012

Giovinazzo  (Bari) – Matera

71 km, 770 HM

tag3

Heute wird es nun ernst. Die erste Etappe unsere Italientour ging los und führte uns in die berühmte Stadt Matera in der Region Basilikata. Um 9 Uhr hatten wir Zelt, Klamotten und allen anderen Kram auf unseren Rädern verstaut und obwohl es noch früh ist, schien die Sonne schon kräftig vom Himmel.

Aufbruch vom Campingplatz in Giovinazzo

Die Strecke führte uns zuerst ins 10 km entfernte Bitonto, wo wir in der Panaderia (Bäckerei) Frühstück besorgten und in einem kleinen Park den alten Männern zusahen, die sich überall in der Mittelmeerregion in den Parks zum quatschen treffen, während die Frauen vermutlich zu Hause die Arbeit verrichten.

Park in Bitonto

Park in Bitonto

Die Landschaft, durch die wir zu Beginn fuhren, bestand aus unzähligen Olivenplantagen. Bereits aus dem Flugzeug konnte man sich ein Bild über das Ausmaß dieser Plantagen machen. Die Straßen sind zum Teil ziemlich stark verdreckt. Überall wird hier der Müll an der Straße weggeschmissen, ab und an sieht man Tierkadaver und vor allem unzählige Plastikflaschen. Würden sie in Italien das Pflaschenpfand einführen, wäre es ein sehr sehr reiches Land. Die Straße ist recht eintönig, ging sie doch kilometerweit einfach nur geradeaus und immer leicht bergauf. Aus der zweispurigen wurde eine vierspurige Straße und es wurde mit jeder Minute immer heißer. 46°C zeigte das Thermometer bereits am frühen Nachmittag an und wir mussten unter Brücken immer wieder Pausen einlegen. Nach 40 km Anstieg war dann aber endlich Altamura in Sicht. Eine etwas größere Stadt, wo wir wieder kalte Getränke, Obst und Schatten bekamen. Unser Wasser in den Trinkflaschen hatte nahezu gefühlte Siedetemperatur erreicht. Mittlerweile hatte sich nun auch die Landschaft verändert. Aus den riesigen Olivenhainen wurde eine wellige verdorrte Landschaft mit weitläufigen Feldern. Kurz bevor wir die ersehnte Stadt erreichten, mussten wir nochmal ein Stück steil bergauf  fahren. Ohne die Weintrauben, die am Straßenrand wuchsen, hätten wir das nicht mehr geschafft ;-). Und dann fanden wir auch einen kleinen Obstladen, wo wir kalte Cola und leckere Pfirsiche kaufen konnten. Große Supermärkte durfte man in diesen Gegenden nicht erwarten. Das meiste wird in kleinen Minigeschäften verkauft, die zwischen 13 und 17 Uhr aber wegen der Siesta meist geschlossen sind.

Kilometerweit Olivenhaine hinter Bitonto

Kerzengerade geradeaus führt die Straße nach Altamura

Die Landschaft wird welliger und trockener

Weitläufige trockene verdorrte Landschaft kurz vor Altamura

Kurz vor Altamura

Endlich erreichten wir den Altstadtkern von Altamura, der wirklich wunderschön war. Kleine enge Gassen, Blumen vor den Häusern, Skulpturen und kaum eine Menschenseele. Auf einem nahezu verlassenen Kirchplatz machten wir unsere Pause und wurden plötzlich von einer Hochzeitsgesellschaft überrascht, die gerade um die Ecke kam. Wir saßen gerade auf den Kirchtreppen und tranken unsere leckere kalte Cola, als der Fotograf unsere Räder entdeckte. Spontan hat er sie gleich als Fotomotiv mit eingebaut und den Bräutigam  auf mein Rad gesetzt. Fasziniert schauten wir dieser faszinierenden Szene zu. Eben noch in der staubigen Einsamkeit und gleich darauf mitten unter extrem schön gekleideten Italienern, die ganz interessiert daran sind, was wir in dieser Gegend zu suchen haben. Und das war einer der schönen Augenblicke, die man auf so einer Tour erleben darf. Gerade noch fuhr man durch die „Hölle“, es warunsagbar heiß und anstrengend und man könnte sich tausend andere schöne Dinge vorstellen, als auf dieser gottverdammten Stupiden langweiligen Straße durch die Hitze zu fahren und dann kam man in diese schöne Altstadt und durfte diesem schönen „Treiben“ zusehen. Sowas ließ alle Anstrengungen wieder schnell vergessen.

Fotosession mit Tourenrädern

exttrem schicke Hochzeitsgesellschaft in Altamura

Impressionen

Altstadt von Altamura

Altstadt von Altamura

Impressionen

Kathedrale von Altamura

Kathedrale von Altamura aus dem 13. Jhdt.

Kathedrale von Altamura

Kathedrale von Altamura

Aber Altamura war nicht unser Ziel. Wir musstn die Kühle im Schatten der Kirche wieder verlassen und noch 20 weitere Kilometer zurücklegen. Diesmal aber nicht mehr nur bergauf, somdern in einer welligen Landschaft immer auf und ab. Nur die Straße, die wir ausgewählt hatten ist nicht die schönste, den mittlerweile fuhren wir auf der „B 75“, einer autobahnähnlichen ausgebauten Bundesstrasse mit viel Asphalt, Leitplanken und keiner Möglichkeit, außer einer Abfahrt, dieser Straße zu entkommen. Aber es war nicht verboten mit dem Rad hier lang zu fahren und viele Alternativen was Straßen anbelangt gab es hier im dünn besiedelten Süditalien nicht. Und so fuhren wir 15 km auf dieser zum Glück nur mäßig befahrenen Straße bis kurz vor Matera. Aufgrund der vielen Asphaltflächen war die Hitze noch intensiver und der Wind kam wie ein Föhn von vorn. Hier machten wir auch unsere ersten Erfahrungen mit Feuer, denn in diesem Sommer ist es in Südeuropa besonders trocken und an allen Ecken und Enden brannte es. Meist waren es aber nur kleine Brände, wo Stoppelfelder brannten oder kleine Baumflächen. Als Schutz vor Feuerübergriffen haben die Bauern an den Feldrändern Schneisen angelegt, die das Feuer stoppen sollen.

Auf der Schnellstraße nach Matera

Gegen 17 Uhr erreichten wir endlich den kleinen Campingplatz  (Masseria Radogna) auf einem Hügel in der Nähe von Matera. 2 km ging es nochmal durch eine schöne Karstlandschaft steil bergauf. Ich schob, aber Torsten fuhr noch. Der Campingplatz war kein Campingplatz im eigentlichen Sinne, sondern ein einsames kleines Haus auf einem Hügel, das ein kleines Restaurant betreibt und überwiegend Schulklassen durch dieses historisch und geologisch interessante Gebiet führt. Dazu gab es eine Campingfläche mit einem kleinen Duschhäuschen und Stromanschluss. Als wir ankamen, stand nur ein einziges Wohnmobil dort, welches am Abend noch von 3 weiteren ergänzt wurde. Wir bauten unser kleines Zelt unter einem Feigenbaum auf und duschten uns in der kalten Dusche erstmal den Staub und den Schweiß des Tages ab. Was für ein Luxus frisches Wasser doch sein kann. Eigentlich war der Plan deutlich früher in Matera anzukommen, damit man sich noch diese berühmt Stadt ansehen kann. Aber für die 70 km hatten wir heute so lange gebraucht, dass es doch schon zu spät war. Hier bei uns sind 70 km schnell gefahren, aber beim Tourenfahren sind die Gesetze andere, und wenn Steigung und Hitze dazukommen, dann können 70 km endlos lang werden. Wir hatten aber noch Zeit um uns Matera von einer ganz besonders schönen Seite anzusehen.

Einsam zelten unterm Feigenbaum

Badehaus der Camping Area in Matera

Camping Area von Matera

Blick vom Campingplatz nach Osten mit kleinem Felderbrand

Warum ist Matera so berühmt? Matera liegt an einer steil abfallenden Schlucht einer karstigen Hochebene, die durch den Fluss Gravina an dieser Stelle tief eingeschnitten wurde. Berühmt ist Matera für seine Höhlenwohnungen, den Sassi. Diese natürlichen Höhlen wurden wahrscheinlich schon seit der Jungsteinzeit besiedelt und in denen Menschen bis ins 20. Jahrhundert hin lebten. Der weiche Stein erlaubte es die Höhlen zu erweitern und nach den Wünschen der Menschen zu gestalten. Im Laufe der Zeit wurden die Höhlen durch Anbauten erweitert und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, welches seit der Bronzezeit existiert versorgte die Menschen mit Wasser. Es entstand schließlich ein Gewirr aus Häusern, Straßen, Kirchen und Kellern, die quasi übereinander gebaut worden sind. 15.000 Einwohner lebten Mitte des 20. Jahrhunderts unter erbärmlich unhygienischen Verhältnissen und in den 50er Jahren wurden die Menschen in andere Stadtteile zwangsumgesiedelt und die Sassi verfielen. Seit den 80er Jahren wurden begonnen sie zu restaurieren und neu aufzubauen. Heute findet man hier viele Szenelokale und Künstlerateliere. Diese Sassi wurden dann 1993 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und stehen unter Denkmalschutz. Außerdem dienten sie diversen Filme als Kulisse. Einer der letzten großen Filme, die hier gedreht wurden, ist die Passion Christi mit Mel Gibson.

Unser Campingplatz lag sozusagen auf der anderen Seite der Schlucht und so hatten wir in der untergehenden Abendsonne einen wunderschönen Blick auf diese übereinandergestapelte historische Altstadt. Und damit endet auch dieser dritte Tag. Er war zwar unsagbar heiß, aber irgendwie war es auch schön und sehr erlebnisreich.

Blick von der anderen Seite der Schlucht auf Matera

Gravini Schlucht

Der Fluss Gravini hat sich tief in den Karststein reingefressen und diese spektakuläre Schlucht gebildet

Sonnenuntergang hinter der Altstadt von Matera

Impressionen

Impressionen

Impressionen

Schnoop und Campadre

Veröffentlicht unter Süditalien Radurlaub August 2012 | Kommentar hinterlassen

Tag 4 Matera – Pisticci

Süditalien Tag 4   5.08.2012

Matera – Pisticci

54 km, 760 HM

tag4

Da es gestern so unsagbar heiß war, wollten wir heute sehr früh aufstehen. Morgens ist die Luft noch frisch und mit 23°C richtig angenehm. Daher standen wir heute bereits um 6 Uhr auf. Eine Stunde später war schon alles gepackt und wir abfahrbereit. Das hätten wir uns allerdings sparen können, denn wir hatten bis auf ein paar Kekse keine Vorräte mehr und vor allem nicht mehr genug zu trinken. Und wir haben nicht daran gedacht, das heute Sonntag ist, weil das Zeitgefühl schon nach den wenigen Tagen verloren gegangen ist. Zum Glück fanden wir in Matera einen Supermarkt, der aber erst um 9 öffnete und es war erst kurz nach 7. Also mussten wir knappe 2 Stunden warten, bis wir endlich einkaufen konnten. Die Zeit vertrieben wir uns mit chillen im Park, fotografieren in den Sassi und einer netten kurzen Unterhaltung mit einem deutschsprechenden Italiener.

Sassi von Matera

Sassi von Matera

Sassi und Berghöhlen von Matera

Sassi und Berghöhlen von Matera

Nach dem Einkauf ging es dann weiter…aber nur ein kleines Stückchen, da es bereits wieder sehr heiß war. Wir  fuhren etwa 15 km überwiegend bergab zu einem Stausee (Lago di San Giuliano), wo wir Siesta machen wollten. Heute waren wir schlauer und wollten mal nicht in der Mittagshitze auf dem Rad sitzen. Für die trockene Gegend war der See riesengroß, aber leider zum Baden nicht geeignet. Das Wasser war sehr muffig und lud höchstens zum Füße abkühlen ein. Im Schatten von Nadelbäumen und einer grünen Wiese hatten wir alles was man für eine entspannte Pause brauchte.  Wir verbrachten die Zeit mit faulenzen, Mittag essen, lesen, schlafen und Skipbo spielen. Und obwohl wir im Schatten saßen und ein leichter Wind durch die Bäume wehte, zeigte das Thermometer 37°C. Unglaublich!!  Auf der anderen Seeseite brach gerade ein Feuer aus und wir beobachteten die schwarze Rauchfahne, die immer größer wurde. Hier waren wir zum Glück auf der sicheren Seite.

Lago di San Giuliano

Lago di San Giuliano

Tomatensalat zum Mittag

Tomatensalat zum Mittag

Waldbrand am See

Waldbrand am See

Nach 4 Stunden erholsamer Siesta ging es weiter. 10 km mussten wir auf einer relativ großen, aber nicht zu stark befahrenen Straße zurücklegen, bevor wir auf eine kleinere Nebenstraße ausweichen konnten. Die 10 km  führten überwiegend bergauf und da die Hitze kaum nachgelassen hatte, war es sehr anstrengend und jeder Schatten wurde zur kurzen Pause genutzt. Doch auch diese Hürde hatten wir geschafft. Nach dem Abzweig auf die Nebenstraße schlängelte sich die Straße  nochmal etwa 300 Höhenmeter recht steil bergauf, aber da die Straße klein und ruhig war, fuhr es sich deutlich angenehmer. Auch hier deuteten verkohlte Bäume und Büsche am Straßenrand auf die extrem heißen Temperaturen hin. Von hier oben hatten wir auch ein schönes Panorama auf das Basento-Tal. Nach einigen Kilometern auf dem Bergrücken erreichten wir Pomarico. Wir waren ein wenig unsicher welcher Abzweig hier der richtige sei, da Karte und Realität nicht wirklich übereinstimmten. Ich fragte einen älteren Herrn, der gerade seinen Müll wegbrachte. A propos Müll, Müll ist hier kein Problem mehr. Im Gegensatz zur Küste ist es hier richtig ordentlich und aufgeräumt und weder Flaschen noch anderer Unrat sind am Straßenrand zu finden. Jedenfalls wollte ich den Mann, der den Müll gerade wegbrachte auf Italienisch fragen, welche Straße die richtige sei, aber es stellte sich heraus, dass ich einen in Augsburg lebenden, aber sehr deutsch wirkenden Italiener angesprochen hatte, der hier mit seiner Frau im Zweitanwesen gerade Urlaub machte. Spontan lud er uns zu eiskalten Bier bzw. Wasser ein. Unglaublich wie toll das kalte Wasser bzw. Bier (sogar Becks!) schmeckte. Ich mag ja eigentlich kein Wasser, trinke es hier nur, weil Saft bei der Hitze sofort schlecht wird. Aber nach dieser Hitze eiskaltes Wasser. Das war so lecker!  Als seine Frau dazu kam, schüttelte sie die ganze Zeit nur den Kopf. „Mit dem Fahrrad hier hoch und dann noch bis Neapel. „Des is ja verrückt“ Nach einer netten Unterhaltung und wieder frisch von den kalten Getränken verabschiedeten wir uns von den beiden und wollten noch ein paar Kilometer zurücklegen bevor es dunkel wurde.

In Pomarico gab es das leckere kalte Wasser

In Pomarico gab es das leckere kalte Wasser

Nun ging die Straße wieder leicht bergauf – bergab mit schönem Panorama auf das Tal und die umliegenden Hügel. Vorbei an gemütlichen einzelstehenden Häusern mit großen Gärten, wo Wein und Tomaten und allerlei andere schöne Dinge in den Gärten wuchsen. An den Straßen standen Feigenbäume und Brombeeren und wir kamen und kamen nicht wirklich weiter vor lauter naschen. Doch nun setzte die Dämmerung langsam ein und wir hatten noch immer keinen Schlafplatz. Campingplätze gab es hier nicht und manchmal dauert es seine Zeit einen geeigneten Platz zu finden. Aber erstmal fuhren wir noch durch eine irre wellige Landschaft aus bunten Kalkmergel, die in der untergehenden Sonne noch viel irrer aussah. Ich kann sie gar nicht richtig beschreiben und auf dem Foto sieht sie nicht annähernd so toll aus. Auf der Abfahrt ins Basentotal führte die Straße an kleinen Olivenhainen vorbei und einer dieser Haine war dann auch unserer. Direkt an einer kleinen Stichstraße stellten wir kurz nach Sonnenuntergang unser Zelt auf einer kleinen ebenen Fläche neben dem Olivenbäumen auf. Von hier hatten wir einen traumhaften Blick auf die umliegenden Hügel und auf der anderen Talseite konnten wir hell erleuchtet die Stadt Pisticci auf dem Gipfel sehen.

Verbrannte Erde

Verbrannte Erde

Das Basento Tal

Das Basento Tal

Naschen am Straßenrand

Naschen am Straßenrand

Impressionen

Impressionen

Ein wilder Zeltplatz bedeutet nicht unbedingt groß auf Komfort verzichten zu müssen. Mit einem Waschlappen, etwas Duschgel und einem 1/2 Liter Wasser kann man ausreichend duschen und fühlt sich frisch und sauber. Wir hatten sogar mehr. Zu Essen gab es Nudeln mit Tomatensoße vom Campingkocher und nachdem wir alles wichtige erledigt hatten, fielen wir sauber, satt und müde ins Bett. Ich habe selten einen wilden Zeltplatz erlebt, der so unglaublich still war wie dieser. Am Himmel ein Sternenhimmel wie gemalt, die Milchstraße deutlich sichtbar und nur ein paar Grillen durchbrachen ab und zu die unglaubliche Stille. Das einzige was die Stimmung, besonders Torstens Stimmung, etwas trübte waren die Mücken, die sich alle zum Festmahl bei uns einfanden. Aber ansonsten war alles toll.

Erster Wilder Zeltplatz im Olivenhain mit Blick auf Pisticchi

Erster wilder Zeltplatz mit Blick auf Pisticchi

Und obwohl heute eigentlich gar nicht so viel passierte, war es wieder ein schöner erlebnisreicher Tag mit viel Zeit zum Seele baumeln lassen.

Veröffentlicht unter Süditalien Radurlaub August 2012 | Kommentar hinterlassen

Tag 5 Pisticci – Stigliano

Süditalien Tag 5   6.08.2012

Pisticci – Stigliano

50 km, 1170 HM

tag5

Noch in der Dämmerung klingelte unser Wecker. Die Nacht war angenehm kühl und Morgentau benetzt das Zelt, doch die Sonne trocknete die Feuchtigkeit schnell wieder weg. Nach der üblichen Packprozedur führte uns heute die Strecke in nahezu unbewohntes Gebiet. Daher war es wichtig, frühzeitig die gesamte Tagesverpflegung und besonders genügend Getränke einzukaufen. In Pisticci Nuevo, nur wenige Kilometer von unserem Zeltplatz entfernt an der Hauptverkehrsstraße, die durch das Basento Tal führte, fanden wir einen kleinen Supermarkt und kauften alles ein, was wir für den Tag brauchten.: 8 Liter Wasser und weitere 4-5 Liter an Erfrischungsgetränken, Tomaten und Brot für das Mittagessen und ein paar Leckereien… Vollgepackt konnten wir uns nun auf den Weg in eine ganz unwirkliche Gegend machen.

Unser erstes Etappenziel war die Geisterstadt Craco. Wir verließen das Basento-Tal und fuhren auf der SS176 Richtung Westen. Linkerhand grüßte uns Pisticci vom Berggipfel aber glücklicherweise mussten wir die 200 m nicht hinauffahren, da wir ja zum Glück den Supermarkt im Tal gefunden hatten. Schnell wurde es einsam auf der schwach befahrenen Straße, aber wer soll hier auch langfahren, wo es doch kaum was gibt. Passend zur trostlosen Umgebung fängt die Sonne früh an, all ihre Kraft für uns zu investieren. Die ersten Kilometer fahren sich auf ebener Strecke noch sehr angenehm, und wir fahren vorbei an Craco-Peschiera, der Ort, an den die Menschen umgesiedelt wurden, nachdem ein großer Teil der Stadt Craco 1991 von einem Erdrutsch zerstört wurde. Seitdem wird Craco die Geisterstadt genannt, weil niemand sich hier mehr aufhalten darf.

Nach einer Weile zweigte dann auch die Straße Richtung Craco ab und nun wurde es anstrengend. Typisch für diese Region ist, dass die Städte immer auf den höchsten Hügeln erbaut wurden und wie weiße Flecken schon von weiter Entfernung aus sichtbar sind. Mit etwa 6% schlängelte sich die Straße empor und nach einer Weile kam der Normannenturm, das Wahrzeichen der Stadt, in Sicht. Oben angekommen, stellten wir fest, dass diese Stadt tatsächlich nicht betretbar war. Riesige Bauzäune versperrten die Eingänge, da die Einsturzgefahr anscheinend wirklich zu groß war. Wir konnten diese verlassene Stadt somit nur von außen bewundern, aber auch von draußen spürte man die Verlassenheit und den geisterhaften Charakter.

Ländliche Idylle am Morgen.
Ländliche Idylle am Morgen.
Heute wurde es einsam.
Heute wurde es einsam.
Craco zeigt sich auf der Spitze des Berges.
Craco zeigt sich auf der Spitze des Berges.
Erhaben thront der Normannenturm über der Stadt
Erhaben thront der Normannenturm über der Stadt.
Abgesperrte verlassene Stadt.
Abgesperrte verlassene Stadt.

Von hier oben hatte man auch einen herrlichen Ausblick auf die umliegende Landschaft, die einfach unbeschreiblich ist: Gelbe verdörrte Felder in einer sanften Hügellandschaft mit einigen grünen Tupfern aus Olivenbäumen unter einem flimmernden graublauen Himmel. Leicht auf und ab ging es auf einer immerhin perfekt asphaltierten Straße weiter Richtung Westen. Aber mittlerweile brannte die Sonne so stark, dass selbst die Geier aufgehört haben in der Thermik ihre Runden zu drehen. Schwer war es, in dieser verlassen Gegend eine geeignete Stelle zur Mittagspause zu finden. Es gab hier einfach nix. Nicht einmal gute Schattenplätze. Gegen halb 1 hielten wir es nicht mehr aus und suchten Zuflucht auf einem staubigen Feldweg, der durch ein paar hohe Bäume vor der Sonne geschützt war. Reglos verharrten wir die kommenden Stunden und passten uns dem Rhythmus der Hitze an. Wie tot lag das Land vor uns, als ob einer auf die Stoptaste gedrückt hat. Nur die fleißigen Ameisen, die sich anscheinend nicht von der Hitze beeindrucken ließen, düsten umher und wurden von Torsten eingehend studiert. Gegen halb 4 wurde es auf einmal merklich kühler. Eine große Wolke schob sich zwischen uns und die Sonne und für uns war es das Zeichen zum Aufbruch. Leider löste sie sich in dem Moment auf, in dem wir fertig gepackt hatten und kaum waren wir auf den Rädern, brannte die Sonne wieder mit aller Kraft auf uns runter.

Unwirtliche Landschaft in der Basilikata.
Unwirkliche Landschaft in der Basilikata.
Richtung Stigliano wurde es etwas grüner.
Richtung Stigliano wurde es etwas grüner.

Es sollten nur gerade mal 50 km bis Stigliano sein, aber der Tag heute war so anstrengend, dass wir erst gegen frühen Abend in der Kleinstadt auf etwa 800 m Höhe ankamen. Und eigentlich wollten wir noch weiter und wieder draußen übernachten, aber wir waren so ausgelaugt, dass wir uns ein winziges Bed and Breakfast Zimmer suchten und keinen Meter weiter fuhren. Das Zimmer war für diese abgelegene Gegend mit 50€ zwar sehr teuer, aber das klimatisierte Zimmer im ersten Stock mit dem weichen Bett und der kräftigen Dusche war der reinste Luxus nach diesem Tag. Auch die Wäsche freute sich endlich den Staub der letzten Tage zu verlieren.

Ausblick auf Stigliano.
Ausblick auf Stigliano.

Nachdem wir unsere Sachen gewaschen und halbwegs sortiert hatten, mischten wir uns unter die Einheimischen und steuerten die kleine Pizzeria direkt gegenüber der Pension an. Die Pizza war der Hammer, so lecker war sie. Die Hitze allerdings schien sich auch in der Nacht nicht vertreiben zu lassen. Gegen 21 Uhr zeigte das Thermometer immer noch 33°C auf dem Marktplatz an. Wir waren aber zu kaputt, um das Nachtleben ausreichend zu genießen oder die Stadt auszukundschaften. Schön war die Stadt auf den ersten Blick eh nicht und die vielen Autos, die sich durch die kleinen Gassen schlängeln, machten jede Menge Krach und schlechte Luft. So begaben wir uns pünktlich ins weiche Bett.

Veröffentlicht unter Süditalien Radurlaub August 2012 | Kommentar hinterlassen

Tag 6 Stigliano – Grumentum

Süditalien Tag 6   7.08.2012

Stigliano – Grumentum

60 km, 1110 HM

tag6

Das heutige Tagesziel war Grumentum. Ein Ort, der einst von Römern besiedelt wurde und dessen Überreste man in einem weitläufigen Areal mit römischen Ruinen und Straßen heute besuchen kann. Auf dem Weg dorthin wollten wir eigentlich eine Straße wählen, die oben über die Berge durch viele kleine Dörfer führen sollte, aber ich fühlte mich krank und schlapp und so wählten wir einen einfacheren Weg, der zunächst von Stigliano nach Süden ins Agrital führte und von dort über einen weiteren Bergrücken ins nächste Tal bis nach Grumentum verlief.

Die Abfahrt von Stigliano ins etwa 600 m tiefer liegende Agrital war phänomenal. Leider hatte ich irgendwie Metall in der Bremse und die Späne fraßen sich bei der schnellen Abfahrt nur so von meiner Felge. Nachdem wir auf halber Höhe die Bremse wieder einigermaßen hinbekommen haben, ging es mit weniger Sorge weiter flott bergab. Der Agri war schnell erreicht, doch einen Fluss konnte man das nicht mehr nennen. Das Flussbett war zwar unendlich breit, aber nur ein kleines Rinnsal ist übrig geblieben. Die Straße entlang des Flusses war ganz nach meinem Geschmack. Mit einer kaum wahrzunehmenden Steigung und ohne Verkehr fuhren wir durch eine grüne Landschaft, die so ganz anders aussah als gestern. Aus der kargen weitläufigen Hügellandschaft wurde eine Berglandschaft mit höheren Gipfeln und grün bewaldeten Hängen.

Abfahrt von Stigliano ins Agri Tal.

Abfahrt von Stigliano ins Agri Tal.

Im Agri Tal.

Im Agri Tal.

Die dann folgende Straße war die größte Herausforderung unserer Tour. Auf der 2D-Karte sah sie ganz nett aus und auch Torstens Garmin wählte diese Route, die uns über den nächsten Bergrücken führen sollte. Das es eine wahrscheinlich einfachere Alternative gab, haben wir trotz Karte nicht so richtig realisiert und auch die Warnungen der einheimischen Bevölkerung konnte uns nicht von der Strecke abbringen. Die Straße war ja eigentlich auch total schön mit wunderbaren Ausblicken und voll ländlicher Idylle, mit Brombeeren am Wegesrand und ab und an mit Schatten spendenden Bäumen. Sie hatte nur einen Nachteil: Sie war steil und zwar sehr steil. 11-12% im Schnitt und bis 17% im Maximum. Gut, bei Rad am Ring war die Strecke nicht anders, aber da waren es auch keine 40°C in der Sonne und die Räder waren da auch ein wenig leichter…. Torsten hatte sich mutig der Strecke gestellt und ist fast alles gefahren. Ich war zu schlapp und so schob ich mein Rad ungefähr 4 Kilometer den Berg hinauf. Das war ganz schön anstrengend, aber da die Strecke sonst toll war und wir auch Zeit hatten, kein allzu großes Problem. Am Ende wieder ein leichtes auf und ab und schon standen wir an einem Taleinschnitt mit Blick auf das etwa 100 m tiefer liegende Armentum auf der anderen Talseite. Dort sollte unsere heutige Mittagspause stattfinden. Die kleine Stadt stellte sich als richtiges kleines Schätzchen heraus. Klebend an einem Berghang, durchzogen viele kleine steile Gassen das Städtchen. Die Haustüren waren liebevoll mit Blumen dekoriert und es war sauber und aufgeräumt. Im kleinen Supermarkt trafen wir mal wieder einen deutschsprechenden Italiener, der uns beim zurechtfinden half. Eingedeckt mit Getränken, Eis und frischem Obst okkupierten wir die kühlen Treppenstufen der kleinen Kirche am Ortseingang.

Blick aufs Agri Tal.

Blick aufs Agri Tal.

Steil hinauf aber schöne Aussicht.

Steil hinauf aber schöne Aussicht.

Lange waren wir nicht alleine. Als wir gerade auf den Treppenstufen am Skip-Bo spielen waren, kam eine junge Frau mit ihren zwei kleinen Jungs vorbei. In Italien geboren, lebte sie lange Zeit in Deutschland und kehrte nach der Heirat mit einem Italiener wieder nach Italien zurück und lebt nun in Florenz. Heute besuchte sie gerade ihre Schwiegereltern und freute sich mal wieder mit Deutschen sprechen zu können. Ihr großer Sohn war von unserem Kartenspiel so fasziniert, das er sich frech einfach bei Torsten auf den Schoss setzte und mitspielte. Ihre Kinder wuchsen zweisprachig auf und so konnte der Kleine schnell die Regeln lernen. Mit der Zeit kamen auch die anderen Stadtbewohner dazu, die in der Nähe Siesta machten, und wollten erfahren wer wir sind und was wir hier machen. Es ist schon schön so von Menschen wahrgenommen zu werden und in Kontakt zu kommen. Das Mädel musste dann aber zum Mittagessen los und auch die neugierigen Stadtbewohner zogen sich wieder zurück und wir konnten noch eine Weile in Ruhe weiterspielen. Am frühen Nachmittag entwickelte sich eine große Wolke über der Stadt und als wir unsere Pause beendet haben, fing es doch tatsächlich an zu regnen. Es waren zwar nur 10 min, denn die Wolke löste sich genauso schnell wieder auf wie sie entstanden ist, aber schön nach der Trockenheit und Hitze ein paar Tropfen auf der Haut zu spüren.

Mitspieler gefunden.

Mitspieler gefunden.

Kleine Gassen in Armentum.

Kleine Gassen in Armentum.

Impressionen.

Impressionen.

Die Strecke führte nun durch ein weiteres grünes Flusstal, dessen Fluss ebenfalls ausgetrocknet war. Links und rechts der Straße steile Hänge voll mit großen gerundeten Steinen in schlammiger Matrix. Der Fluss hat sich im Laufe der Zeit tief eingeschnitten und das alte Flussbett konnte man nun schön im Querprofil am Hang beobachten. Aber statt Wasser brannte die Sonne schon wieder mit aller Kraft vom Himmel. Nach wenigen Kilometern erreichten wir die Bundesstraße, die nach Grumentum führte. Glücklicherweise war auch diese nicht stark befahren und so ging es wieder leicht bergan bis zum Stausee (Lago di Pertusillo), an dessen Westseite unser Agriturismo wartete. Der Stausee hatte eine irre türkise Färbung und riesige Fische standen still im Wasser, darauf wartend, gefangen zu werden. Leider führte die Straße hoch über dem See entlang, so dass man nicht ans Ufer gelangen konnte. Unterwegs trafen wir einen italienischen Rennradler, der sich schnell mit Torsten anfreundete und uns eine ganze Weile begleitete. Er gab uns unter anderem den Hinweis, dass in Amphittheater des antiken Grumentum heute Abend ein Konzert stattfinden solle. Gut zu wissen. Aber erstmal mussten wir unser Agriturismo finden, eine Art Bauernhof, der lokale Produkte anbaut, anbietet und gleichzeitig Platz für Touristen bietet. Dieser Agriturismo lag auch gleich neben dem Eingang zu den römischen Ruinen und dem angepriesenen Amphittheater. Der kleine Campingplatz war wunderschön und lag in einem kleinen Eichenwäldchen. Wir waren die einzigen Gäste und so gehörte uns der ganze Wald alleine. Ein kleines Toilettenhäuschen und eine halbfrei stehende Dusche waren auch alles, was wir brauchten. Zum Hof gehörte ein bunt geschecktes Pferd, zwei Hunde und ein kleiner Miezekater, der Viola genannt wurde und zu unserem Campingkater wurde.

Durchs tief eingeschnittene Flusstal Richtung Grumentum.

Durchs tief eingeschnittene Flusstal Richtung Grumentum.

Trotz kurzen Regenschauers, stieg das Thermometer wieder auf gemütliche 43°C.

Trotz kurzen Regenschauers, stieg das Thermometer wieder auf gemütliche 43°C.

Lago del Pertesillo.

Lago di Pertusillo.

Plausch unter Colnago-Kennern.

Plausch unter Colnago-Kennern.

Nachdem das Zelt aufgebaut, unser Essen gegessen (die Reste gingen an Viola) und auch sonst alles wichtige getan war, machten wir uns bereit für das unbekannte Konzert. Keine 5 min Fußmarsch und wir standen in einem schön beleuchteten echten römischen Amphittheater. Es waren verdammt wenige Zuschauer, doch langsam füllte es sich doch ein wenig. Gespannt warteten wir auf den unbekannten Auftritt und wurden von einem unglaublich tollen Künstler überrascht. Das Konzert war der Hammer und unter dem Sternenhimmel einfach wunderschön. Kinder tanzen zur Musik und bei einigen Lieder sang das ganze Publikum mit. Es war ein Künstler aus der Region, der hier bekannt war und schönen Italopop sang. Absolutes Gänsehautfeeling. Um Mitternacht beendete Raffaele Tedesco mit seinem letzten Lied diesen aufregenden Tag. Müde fielen wir einfach nur noch in unser Bett. Morgen gönnen wir uns einen Ruhetag und schauen uns die Ausgrabungen bei Tageslicht an.

Agriturismo Verde in Grumentum.

Agriturismo Verde in Grumentum.

Konzert im Amphittheater von Grumentum.

Konzert im Amphittheater von Grumentum.

Veröffentlicht unter Süditalien Radurlaub August 2012 | Kommentar hinterlassen

Tag 7 Grumentum

Süditalien Tag 7   8.08.2012

Grumentum

Es war herrlich unter den kühlen Bäumen erstmal auszuschlafen. Unser Kater Viola kam gleich morgens zum Frühstück vorbei, machte es sich auf unserer Matte gemütlich und wartete auf Leckereien. Bei der morgendlichen Wäsche in der Dusche gab es die erste Überraschung. Ein kleiner Skorpion hat sich ins Waschbecken verirrt. Es ist zwar bekannt, dass es in Südeuropa Skorpione geben soll, aber erwartet haben wir den hier absolut nicht. Gut, dass er sich nicht in unseren Schlafsack verirrt hatte. Nachdem wir ihn wieder in Freiheit entlassen hatten und das Frühstück auch erledigt war, machten wir uns auf den Weg zu den römischen Ausgrabungen.

Der kleine Skorpion verirrte sich ins Waschbecken.

Der kleine Skorpion verirrte sich ins Waschbecken.

Besuch von Viola.

Besuch von Viola.

Keine 5 min Fussweg mussten wir bis zum kleinen Museum zurücklegen. Das Gebäude war zwar ganz modern und riesengroß, aber die Ausstellung noch sehr klein. Alte Münzen, Schalen, Fotos zeigten ein paar Einblicke ins römische Leben und die Funde der Ausgrabung. Schnell hatten wir alles gesehen und dann nahmen wir uns das Ausgrabungsgelände vor. Es begann mit dem kleinen Amphittheater von gestern abend und führte auf einem etwa 2 km langen Fussweg durch die Überreste Grumentums. Überall flitzten kleine Echsen herum, die sich von uns in ihrer Siesta gestört fühlten. Viel mehr als Fundamente, einige schöne Bodenmosaike und eine Straße aus riesigen Blöcken, die es Torsten angetan hatte, gab es aber nicht zu sehen, aber imposant war es schon. Das Beste kam zum Schluss. Ein gut erhaltenes großes Amphittheater mit einer Arena von über 60 m Länge. Nachdem wir alles gesehen hatten, gingen wir zurück zum Zeltplatz und entdeckten unseren nächsten Besucher. Ein hübscher hellbrauner Collie-Mischling wartete bereits auf uns und freute sich wie verrückt uns zu begrüßen. Wo kam der denn jetzt her? Es stellte sich heraus, dass er zum Museum gehört, aber keinen richtigen Besitzer hat. Er besucht gerne die Hunde des Agriturismo und ab und zu wohl auch dessen Gäste. Nun hatten wir schon zwei Besucher. Den restlichen Nachmittag faulenzten wir und kauften im nahe gelegenen Supermarkt ein. Schön mal ein paar Kilometer ohne Gepäck zu fahren. Die Gegend hier gefiel mir auch sehr gut. Die umliegenden Berge sind richtig hoch und überall weisen Schilder auf Wintersportaktivitäten hin. Bei 40°C schon sehr lustig. Dazwischen sieht man viel Landwirtschaft, Weinberge, viel Grün und auf den Hügeln sitzen überall kleine Dörfer.

Das Amphittheater von Grumentum bei Tag.

Das Amphittheater von Grumentum bei Tag.

Ausgrabungen

Ausgrabungen

Mosaike

Mosaike

Das große Amphittheater.

Das große Amphittheater.

Das "neue" Grumentum als schöner Fleck auf dem Berg.

Das „neue“ Grumentum als schöner Fleck auf dem Berg.

Am Abend gönnten wir uns im Agriturismo ein richtig leckeres Abendessen. Es gab keine Speisekarte, sondern der Besitzer fing einfach an uns Teller für Teller hinzustellen. Fast alle Zutaten kamen aus dem eigenen Garten oder aus der umliegenden Region und so schmeckte es auch. Wir genoßen heute Abend eines der besten Essen, welches wir jemals vorgesetzt bekommen hatten: selbgemachte Salamisorten, Schinkenstreifen mit Ananas, Salat mit Pfirsich und Schafskäse in Zitronenöl, gebratene Zucchini und Auberginen, Nudeln und Hühnchen als Hauptspeise und zum Nachtisch selbstgemachter Schokoladenkuchen für Torsten und Obst für mich. Zum Abschluss ein mit Honig gewürzter Wein.

Satt und zufrieden fielen wir nach diesem leckeren Genuss ins Bett. Schade, dass unsere Urlaubskasse solch leckeres Essen nicht jeden Tag zuließ.

Von Essen verstehen die Italiener was.

Von Essen verstehen die Italiener was.

Veröffentlicht unter Süditalien Radurlaub August 2012 | Kommentar hinterlassen

Tag 8 Grumentum – Sapri

Süditalien Tag 8   9.08.2012

Grumentum – Sapri

85 km, 1230 HM

tag8

Weiter ging es auf unserer Reise durch die abwechslungsreiche Basilikata. Die heißen Temperaturen der letzten Tage hatten sich ein wenig abgekühlt, was auch daran liegen konnte, dass wir nun in etwas höherliegender Region unterwegs waren. Vor der Reise hatte ich auf der Karte eine schöne direkte Straße rausgesucht, die über einen 1500m hohen Pass am Monte Papa uns direkt bis zur Straße nach Sapri geführt hätte. Doch sind wir von den vielen Höhenmetern mit Gepäck bereits ein wenig ausgelaugt und wir hatten ja nun festgestellt, dass die kleinen Straßen hier sehr steil sein können. So nahmen wir lieber den sicheren Weg, der uns allerdings einige Kilometer an Umweg kostete. Die Idee erwies sich aber als gut, denn die Strecke war landschaftlich wunderschön und zeigte tolle Panoramen der Bergwelt des Lukaner Appennin. Wir verließen die Basilikata und fuhren nun ein Stück in Kampanien weiter.  Durch die angenehmen Steigungen kamen wir gut voran und schnell erreichten wir die kleine Stadt Montesano sulla Marcellana. Das tolle an dieser Stadt war, dass sie direkt oberhalb des Diano-Tal lag und eine wunderbare Aussicht auf die weitläufige Ebene bot, die zwischen dem Lukanischen Appennin und dem Cilento lag. Highlight dieser Stadt war eine kleine gotische Kathedrale, die man eher in Spanien erwarten würde als hier. Auf jeden Fall war der Platz vor der Kathedrale perfekt für eine Pause, bevor es dann rasant runter ins Tal ging.

Grün und landwirtschaftlich geprägt ist es im Val d'Agri.

Grün und landwirtschaftlich geprägt ist es im Val d’Agri.

Wir verlassen die Basilikata.

Wir verlassen die Basilikata.

Kurz vor Montesilla

Kurz vor Montesana sulla Marcellana.

Pause auf dem Marktplatz vor der gotischen Kathedrale.

Pause auf dem Marktplatz vor der gotischen Kathedrale.

Blick auf das Val

Blick auf das Diano-Tal.

Vom Tal aus ging es auf der anderen Seite wieder zurück Richtung Sapri. Auch die Bundesstraße war landschaftlich sehr schön und nur sehr wenige Autos störten die Ruhe. Das lag zum größten Teil an der Autobahn, die ebenfalls durch dieses Tal verlief. Ganz leicht bergauf ging die Straße wieder und nur vor dem kleinen Flecken Fortino wurde sie für kurze Zeit wieder deutlich steiler. Von dieser Straße hatte man einen tollen Blick auf die Lukanischen Berge und es erwies sich als goldrichtige Idee nicht über den Pass zu fahren. Wären wir über den Pass gekommen hätten wir noch viele kleine tiefe Quertäler passieren müssen, um auf die richtige Bergflanke zu gelangen. Unsere Straße jedoch führte direkt auf die richtige Seite und wir konnten von hier direkt nach Sapri abbiegen.

Grün geht es auf der anderen Seite wieder bergauf.

Grün geht es auf der anderen Seite wieder bergauf.

Schnappschuss!

Schnappschuss!

Der hohe Berg müsste der Monte Papa sein, denn wir an der Flanke überqueren wollten.

Der hohe Berg ganz hinten müsste der Monte Papa sein, denn wir an der Flanke überqueren wollten.

Kurz vor der Abfahrt bekamen wir für kurze Augenblicke die Christusstatue von Maratea in den Blick. Dort steht auf dem Gipfel eines Berges eine riesengroße Christusstatue, ähnlich wie in Rio de Janeiro. Aber leider lag dieser Ort nicht auf unserem Weg, so dass wir uns nur einem kurzen Blick zufrieden geben mussten. Bald kam der gesuchte Abzweig und wir konnten kurze Zeit später zum ersten Mal das Meer sehen. Hier in 600 m Höhe war es richtig angenehm und ein frischer Wind vom Meer wehte uns um die Haare. Die Abfahrt nach Sapri war toll, war sie vom Gefälle so moderat, dass man das Rad vielfach einfach laufen lassen konnte, ohne Angst haben zu müssen, zu schnell zu werden. Hätten wir allerdings gewusst was uns unten erwartet, wären wir vielleicht oben geblieben.

Blick aufs Mittelmeer oberhalb von Sapri.

Blick aufs Mittelmeer oberhalb von Sapri.

gemütliche Serpentinenabfahrt mit 600 Höhenmetern.

Gemütliche Serpentinenabfahrt mit 600 Höhenmetern.

Unten erwartete uns nämlich das komplette Kontrastprogramm. Die frische Luft war weg und es war heiß und stickig. Menschenmassen bevölkerten die Strandabschnitte und alles war nur noch auf Tourismus angelegt. Für die nächsten Tage werden wir eine neue Seite Italiens kennenlernen. Der August ist der Urlaubsmonat der Italiener und sehr sehr viele (gefühlt fast alle!) machen Urlaub am Meer. Wir werden in den nächsten Tagen kaum einen freien Flecken Strand entdecken, es sei denn er ist so unzulänglich, dass wir selber nicht mal dorthin kommen. Nun gut, wir ergaben uns unserem Schicksal.

Nachdem der erste Campingplatz bereits überfüllt war, bekamen wir auf dem nächsten einen kleinen Flecken in einer hintersten Ecke zugewiesen. Ich kann nur jedem, der günstig Campingurlaub machen will empfehlen, nicht im Sommer an der Küste zu campen. 40€ zahlen wir beide für eine einzige Nacht mit einem winzigen Zelt und hier musste man sogar fürs Duschen extra zahlen. Das ist fast doppelt so viel, wie an der ruhigeren Ostküste bei Bari. Dazu bekommt man aber auch bis tief in die Nacht Animation in Form von lauter Musik und kreischenden Teenies, die hier ihren ersten Urlaubsromanzen begegnen. Wir sind nach der schönen Ruhe im beschaulichen Agriturismo erstmal etwas geplättet als wir in diese Urlaubswelt eintreten und nach der Dusche flüchteten wir erstmal in eine nahegelegene Pizzeria und bestellten uns eine Riesenpizza. An einem relativ ruhigen Strandabschnitt genoßen wir diese mal wieder extrem leckere Pizza und ließen den Tag ausklingen. Als wir wieder zurück zum Campingplatz kamen, war die Party bereits im vollen Gange und sollte noch einige Stunden dauern. Zum Glück waren wir so müde, dass wir trotzdem schlafen konnten, besonders nach diesem eindrucksvollen Tag.

Die Pizza war so lecker.

Die Pizza war so lecker.

Veröffentlicht unter Süditalien Radurlaub August 2012 | Kommentar hinterlassen